Ausgewählte Zitate:
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Ich habe mir den Wahlspruch zu eigen gemacht: "Die beste Regierung ist
die, welche am wenigsten regiert"; ..."Die beste Regierung ist die, welche
gar nicht regiert"; und wenn die Menschen einmal reif dafür sein werden,
wird dies die Form ihrer Regierungsein. (S. 7)
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Ich will sachlich reden, und nicht wie die Leute, die sich überhaupt
gegen jede Regierung erklären. Ich sage nicht: von jetzt an keine
Regierung mehr, sondern von jetzt an eine bessere Regierung. (S. 8)
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Der praktische Grund, warum die Mehrheit regieren und für längere
Zeit an der Regierung bleiben darf, wenn das Volk die Macht hat, ist schließlich
nicht, dass die Mehrheit das Recht auf ihrer Seite hat, auch nicht, dass
es der Minderheit gegenüber fair ist, sondern ganz einfach, dass sie
physisch am stärksten ist. (S. 8)
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Ich finde, wir sollten erst Menschen sein, und danach Untertanen. Man sollte
nicht den Respekt vor dem Gesetz pflegen, sondern vor der Gerechtigkeit.
Nur eine einzige Verpflichtung bin ich berechtigt einzugehen, und das ist,
jederzeit zu tun, was mir recht erscheint. (S. 9)
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Die Mehrzahl der Menschen dient also dem Staat mit ihren Körpern nicht
als Menschen, sondern als Maschinen. Sie bilden das stehende Heer und die
Miliz, die Gefängniswärter, die Konstabler, Gendarmen etc. In
den meisten Fällen bleibt kein Raum mehr für Urteil oder moralisches
Gefühl. (S. 10)
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Es gibt Tausende, die im Prinzip gegen Krieg und Sklaverei sind und die
doch praktisch nichts unternehmen, um sie zu beseitigen; (...) Menschen,
für die die Frage der Freiheit hinter der des Freihandels zurücktritt
(...). Sie warten - wohlsituiert -, dass andere den Übelstand abstellen,
damit sie nicht mehr daran Anstoß nehmen müssen. (S. 13)
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Ein kluger Mensch wird die Frage der Gerechtigkeit nicht dem Zufall überlassen,
er wird auch nicht wollen, dass sie durch die Macht der Mehrheit wirksam
werde. Denn in den Handlungen von Menschenmassen ist die Tugend selten
zu Hause. (S. 14)
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Der Mensch ist nicht unbedingt verpflichtet, sich der Austilgung des Unrechts
zu widmen, und sei es noch so monströs. Er kann sich auch anderen
Angelegenheiten mit Anstand widmen; aber zum mindesten ist es seine Pflicht,
sich nicht mit dem Unrecht einzulassen, und wenn er schon keinen Gedanken
daran wenden will, es och wenigstens nicht praktisch zu unterstützen.
(S. 15)
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Wie kann sich jemand nur damit zufrieden geben, dass er eine Meinung hat!
Was für eine Genugtuung liegt darin, wenn es seine Meinung ist, dass
er bedrückt sei? Wenn dein Nachbar dich auch nur um einen Dollar betrügt,
dann genügt es dir nicht, zu wissen, dass du betrogen worden bist,
auch nicht, ihm eine Bittschrift zuzustellen, er möge dir die Schuld
zurückzahlen; vielmehr wirst du wirksame Schritte unternehmen, um
sofort die ganze Summe zurückzubekommen und die Gewähr, dass
du nicht wieder betrogen werden wirst. (S. 16)
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Wer nach Grundsätzen handelt, das Recht wahrnimmt und es in Taten
umsetzt, verändert die Dinge und Verhältnisse; dies ist das Wesen
des Revolutionären, es gibt sich nicht mit vergangenen Zuständen
zufrieden. Es trennt nicht nur Staaten und Kirchen, es spaltet Familien.
Ja, es spaltet den Einzelmenschen, indem es das Teuflische in ihm von dem
Göttlichen scheidet. (S. 16/17)
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Unter einer Regierung, die irgend jemanden unrechtmäßig einsperrt,
ist das Gefängnis der angemessene Platz für einen gerechten Menschen.
(S. 20)
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Eine Minderheit ist machtlos, wenn sie sich der Mehrheit anpasst; sie ist
dann noch nicht einmal eine Minderheit; unwiderstehlich aber ist sie, wenn
sie ihr ganzes Gewicht einsetzt. (S. 20)
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Ich habe sechs Jahre keine Wahlsteuer bezahlt. Einmal wurde ich deshalb
für eine Nacht ins Gefängnis gesteckt. (...) Da sie mich nicht
fassen konnten, beschlossen sie, meinen Körper zu bestrafen; (S. 24)
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Mit dem inneren Wesen, sei es intellektuell oder moralisch, kann der Staat
sich also niemals auseinandersetzen, sonder nur mit dem Körper, mit
den Sinnen. Er verfügt weder über größere Vernunft
noch Ehrlichkeit, sondern nur über größere physische Gewalt.
(S. 25)
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Ich wurde ins Gefängnis gesteckt, als ich gerade auf dem Weg zum Schuster
war, um eine geflickten Schuh dort abzuholen. Als ich am nächsten
Morgen herauskam, setzte ich diesen Gang fort, zog meine geflickten Schuh
an und stieß zu einer Gruppe von Heidelbeersammlern, die schon darauf
warteten, von mir angeführt zu werden. (S. 28)
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Ich möchte mit keinem Menschen und keinem Land Streit anfangen. Ich
will keine Haarspalterei betreiben, nicht übergenau sein oder mich
für besser als meine Nachbarn halten. Ich suche ja gerade nach einer
Ausrede, um mich den Gesetzen des Landes anzupassen. (S. 30)
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Die rechtmäßige Regierungsgewalt (...) ist immer unvollständig:
um nämlich unbedingt gerecht zu sein, muss sie Vollmacht und Zustimmung
der Regierten haben. Sie kann kein umfassendes Recht über mich und
mein Eigentum haben, sondern nur so weit, wie ich zustimme. (S. 34)
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Ich mache mir das Vergnügen, mir einen Staat vorzustellen, der es
sich leisten kann, zu allen Menschen gerecht zu sein, und der das Individuum
achtungsvoll als Nachbarn behandelt; einen Staat, der es nicht für
unvereinbar mit seiner Stellung hielte, wenn einige ihm fernblieben, sich
nicht mit ihm einließen und nicht von ihm einbezogen würden,
solange sie nur alle nachbarlichen, mitmenschlichen Pflichten erfüllten.
Ein Staat, der solche Früchte trüge, und sie fallen ließe,
sobald sie reif sind, würde den Weg für einen vollkommeneren
und noch ruhmreicheren Staat freigeben - einen Staat, den ich mir auch
vorstellen kann, den ich bisher aber noch nirgends gesehen habe. (S. 35,
Schluss)
Quelle:
H.D.Thoreau: Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat und
andere Essays; Übersetzung, Nachwort und Anmerkungen von Walter E.
Richartz; , Diogenes Verlag; ISBN 3-257-20063-3.
Im amerikanischen Original 1849 untere dem Titel "The resistance to
Civil Government" erschienen. |